Der kleine Vogel

Ich weiß nicht, wie ich meine Eltern davon überzeugt habe, mir zwei Haustiere zur gleichen Zeit zu kaufen. Der Nager stand in der Stube, er mochte die Aufmerksamkeit der gesamten Familie.
Der Vogel stand im kleinen Zimmer. Er war gerade erst angekommen und noch sehr scheu. Wir wollten ihm seine Ruhe lassen, damit er sich beruhigen konnte. Natürlich war ich trotzdem dauernd in seinem Zimmer. Er schien mich zu mögen, ließ sich bereitwillig durch die Gitterstäbe kraulen.

Wir hatten einen Überraschungskorb gekauft, mit Futter und Spielzeugen und Leckerlis für die beiden Tiere. Ich hatte gerade den Nager gefüttert und wollte zum Vogel. Als ich seinen kleinen Raum betrat standen die Fenster offen. Er war fort. Es war offensichtlich, dass er sich durch die Gitterstäbe pressen konnte. Warum hatte jemand die Fenster geöffnet? Ich glaube, mein Großvater war es.
Der kleine Vogel war Gelb und Grün, wie die Sonne über einer Wiese.

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Der kleine Vogel

Drei Träume

Ich bin auf der Arbeit und räume den Tresen leer. Der Chef flirtet mit der Praktikantin. Die Blumen müssen gegossen werden. Eine der Blumen steht vor dem Gebäude, ich versuche sie aus dem Fenster des ersten Stocks zu gießen, knapp vorbei an einem Mann im Anzug.

Wir sind zuhause und bereiten gerade das Abendessen vor, als die Tür klingelt. Wir haben niemanden erwartet, doch unsere Freunde stehen mit ihrem Kind vor der Tür. Sie erklären, sie hätten geplant vorbeizukommen und nur vergessen, uns bescheid zu sagen. Wir sind verärgert, weil wir lieber allein sein wollten und nicht genug Essen für alle vorbereitet haben. Die Tür klingelt. Unsere Freunde haben noch jemanden eingeladen, den wir kaum kennen und der nun auch mitessen will.

Wir sind gerade in einen Garten geschlichen. Im Gebüsch versteckt sich eine Katze – Britisch Kurzhaar. Sie klettert an meinem Partner hoch. Zum Glück nicht an mir, ich bin allergisch. Schließlich springt sie runter und davon. Weiter hinten im Garten finden wir Polizisten. Sie suchen ein entlaufenes Schwein. Ein Schwein? Ja, ein Schwein, bestätigen sie uns. Wir helfen bei der Suche und fragen unsererseits Passanten. Irgendwann taucht das Schwein auf, dünn und jung, aber schon erstaunlich groß. Es wird auf eine zertretene Wiese gebraucht und ist plötzlich eher groß wie ein Rind. Es spielt mit seinem Geschwisterschwein und ihrem Elternschwein.

Drei Träume

Sturm

In meinem Kopf ist es zu laut.
Ich möchte verletzen, wehtun. Mir, anderen. Mit Worten und mit Taten.
Ich möchte die Wand boxen, mir die Knöchel blutig schlagen. Ich möchte gemein sein bis jemand weint. Ich möchte zerstören.
Ich möchte nicht der Mensch sein, der all das tut. Der all das tun möchte.
In meinem Kopf herrscht ein Sturm und mein Schädel ist nicht groß genug um ihn zu halten.
Ich bin unzufrieden. Mit mir, mit anderen. Und wieder mit mir, weil ich die anderen nicht akzeptieren kann wie sie sind. Ich bin böse und verletzend zu denen die ich nicht mag. Und schlimmer noch zu denen die ich liebe.
Ich möchte besser sein. Ruhiger. Netter. Gerechter. Fitter, mit besserem Job und mehr Liebe und Talenten. Aber ich lasse mich ablenken, arbeite nicht an mir und meiner Zukunft.
Jetzt lenkt mich nichts ab und hinter meiner Schädeldecke schreit es.
Ich kämpfe damit, nach außen ruhig zu sein.
Ich will mich betäuben, mich verstecken, weglaufen vor der Welt und der Verantwortung. Aber ich kann und will nicht. Es kämpft in mir und ich will keine Seite gewinnen lassen.

Sturm